Aktuelles (20.02.2026):
Vor der Wahl ist nicht gleich nach der Wahl!
WIR INFORMIEREN, WIESO WIR DREI NICHT MEHR FÜR DEN KREISTAG BAYREUTH KANDIDIEREN.

Vor der Wahl ist nicht gleich nach der Wahl!
Politik lebt vom Vertrauen. Vertrauen entsteht durch Worte – aber es bleibt nur bestehen durch Taten. Genau hier liegt das Problem, das viele Bürgerinnen und Bürger zunehmend beschäftigt: Vor der Wahl hören wir klare Aussagen, deutliche Ankündigungen, ambitionierte Versprechen. Nach der Wahl jedoch scheint manches davon zu verblassen. Vor der Wahl ist eben nicht automatisch gleich nach der Wahl.
Warum sollten Wahlaussagen mehr sein als wohlklingende Formulierungen? Warum ist es so entscheidend, dass politische Versprechen auch tatsächlich umgesetzt werden? Weil Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern keine Option, sondern Verpflichtung ist. Wer um Stimmen wirbt, wirbt um Vertrauen. Und wer Vertrauen erhält, trägt Verantwortung. Wenn jedoch Ankündigungen folgenlos bleiben oder ins Gegenteil verkehrt werden, dann schwindet dieses Vertrauen – leise, aber dauerhaft.
Wir erleben seit Jahren, dass sich immer mehr Menschen von demokratischen Parteien und Wählervereinigungen abwenden. Diese Entwicklung ist gefährlich. Sie schwächt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und stärkt jene Kräfte, die einfache Antworten auf komplexe Fragen versprechen. Doch Demokratie lebt nicht von Lautstärke, sondern von Verlässlichkeit.
Vielleicht sollten wir uns wieder stärker bemühen, vor einer Wahl nur das zu versprechen, was wir auch nach einer Wahl mit Überzeugung umsetzen wollen. Vollmundige Ankündigungen erzeugen kurzfristige Aufmerksamkeit – aber langfristige Glaubwürdigkeit entsteht nur durch konsequentes Handeln. Genau darum geht es.
Ein bewusstes Zeichen
Aus diesem Grund haben wir – Thomas Schmidt, Claus Spieler und Hans Hümmer – eine klare Entscheidung getroffen. Wir haben uns nicht mehr bereit erklärt, bei der nächsten Kreistagswahl auf der Liste der „Freien Wählergemeinschaft Landkreis Bayreuth“ zu kandidieren. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Sie ist jedoch Ausdruck unserer Überzeugung, dass Politik Haltung braucht.
Gleichzeitig war für uns klar: Wir wechseln nicht einfach zu einer anderen politischen Gruppierung oder Partei. Uns geht es nicht um Posten oder Positionen, sondern um Inhalte und Glaubwürdigkeit.
Selbstverständlich kandidieren wir weiterhin für den Stadtrat von Pegnitz auf der Liste der Freien Wähler. Sollten wir erneut das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler erhalten, werden wir unsere Stimme weiterhin erheben – auch mahnend gegenüber Entwicklungen im Landkreis, die wir für falsch halten.
In vielen Wahlveranstaltungen wurden wir gefragt: „Auf welcher Liste können wir euch für den Kreistag wählen?“ Unsere Antwort ist ehrlich: Wir haben vor sechs Jahren klare Aussagen getroffen. Wir haben für einen echten Neuanfang geworben – und wurden mit diesem Auftrag ausgestattet. Doch dieser Neuanfang, obwohl wir ihn vehement weiter gefordert haben, ist nach unserer Einschätzung nicht eingetreten.
Der versprochene Neuanfang – und die Realität
Zur Kommunalwahl 2020 haben wir einen Kandidaten für das Amt des Landrates empfohlen: Florian Wiedemann. Er wurde gewählt. Seine damalige Botschaft war deutlich formuliert: „Für einen echten Neuanfang – Der Landkreis Bayreuth muss endlich wieder auf die Überholspur.“
Doch wenn wir die vergangenen sechs Jahre betrachten, müssen wir feststellen: Von diesem Neuanfang ist wenig zu erkennen. Vieles, was zuvor von uns kritisch hinterfragt wurde, ist nicht nur fortgeführt, sondern ausgeweitet worden.
Bereits in der Zeit von Landrat Hübner (2008–2020) haben wir kontinuierlich auf problematische Entwicklungen hingewiesen: steigende Personalkosten, ausufernde Investitionen, wachsende Belastungen durch Zweckverbände wie „Förderung des Tourismus und Wintersports im Fichtelgebirge“ oder die „Therme Obernsees“, strukturelle Fragen beim Klinikum Bayreuth und die Planungen eines Erweiterungsbaus für das Landratsamt. Unsere Kritik war klar: Wir müssen unterscheiden zwischen Notwendigem, Wünschenswertem und Verzichtbarem.
Die Wählerinnen und Wähler wollten Veränderung. Sie wollten Konsolidierung, Priorisierung, finanzielle Vernunft. Doch die Realität entwickelte sich anders.
Die Kreisumlage – eine dramatische Entwicklung
Ein zentrales Thema ist die Kreisumlage. Die damalige wörtliche Aussage des Herrn Wiedemann vor der Kommunalwahl 2020 hierzu war:
"Damit unsere finanziell teils arg gebeutelten Gemeinden nicht auch noch vom Kreis über Gebühr belastet werden, sind Rücklagen so gering wie möglich zu halten, damit die niedrige Kreisumlage beibehalten werden kann. Die in den letzten Jahren zu hoch angesetzten Umlagezahlungen, die zu hohen Rücklagen im Kreishaushalt führten, sind an die Gemeinden zurückzuerstatten" – Zitat Ende
Schauen wir auf die Zahlen: 2021 wurden von den Gemeinden 35,6 Millionen Euro erhoben. Der Haushalt 2026 sieht nun 69,7 Millionen Euro vor – beinahe eine Verdoppelung innerhalb weniger Jahre. Das ist keine marginale Anpassung, sondern eine strukturelle Veränderung.
Die Schlüsselzuweisungen des Freistaats lagen 2021 bei rund 33,6 Millionen Euro und deckten nahezu die Kreisumlage. 2026 erhalten die Gemeinden etwa 39,3 Millionen Euro – müssen aber rund 30 Millionen Euro mehr an den Landkreis abführen als noch 2021. Das bedeutet: Trotz höherer Zuweisungen bleibt unter dem Strich deutlich weniger Handlungsspielraum.
Für Städte wie Pegnitz hat das spürbare Folgen. Viele Kommunen im Landkreis sind inzwischen Stabilisierungsgemeinden. Sie sind auf staatliche Sonderhilfen angewiesen, kürzen freiwillige Leistungen für Vereine, karitative Organisationen und kirchliche Einrichtungen – oder streichen sie ganz. Doch gerade diese freiwilligen Leistungen sind es, die eine Gesellschaft lebenswert machen.
Wir denken, dass die untenstehenden Schaubilder für jeden erkennen lassen, dass unsere Gemeinden sich in die Handlungsunfähigkeit bewegen:

Zweckverbände und Investitionen – das Beispiel Fichtelgebirge

Ein weiteres Beispiel ist der Zweckverband „Förderung des Tourismus und Wintersports im Fichtelgebirge“. Die damalige Aussage des jetzigen Landrates – auszugsweise – war:
"Nahezu unglaublich mutet an, dass das Gremium Kreistag bei den 26 Millionen Investitionen keinerlei Mitbestimmung hatte (...) und weiter aus gut unterrichteten Kreisen ist mir bekannt, dass mindestens ein mir namentlich bekanntes privates Unternehmen Interesse daran gehabt hätte, die Seilbahnen am Ochsenkopf zu übernehmen(...). Ich rechne fest damit, dass es bei 26 Mio. € nicht bleiben wird. Bei 15 % Miniförderung bedeutet dies, dass die Kosten kaum mehr zu stemmen sein werden. Natürlich werde ich mich weiter nachdrücklich für eine höhere Förderung einsetzen, gelingt das nicht werden wir gezwungen sein, die jetzigen Planungen zu überarbeiten."
Die Realität heute: Bereits getätigte Investitionen von rund 46,8 Millionen Euro, geplante weitere 7,3 Millionen Euro – insgesamt also 54,1 Millionen Euro. Dem stehen Zuschüsse von etwa 13,7 Millionen Euro gegenüber. Die Eigenbelastung steigt somit auf über 40 Millionen Euro.
Vergleicht man dies mit den ursprünglich genannten 26 Millionen Euro und einer damals als kritisch bewerteten Eigenbelastung von rund 22 Millionen Euro, so ist die heutige Situation nahezu doppelt so hoch. Die Frage drängt sich auf: Wo blieb die angekündigte Überprüfung? Wo wurde intensiv nach privaten Investoren gesucht? In den Gremien war davon kaum noch die Rede.
Hinzu kommt eine strukturelle Schieflage: Der Landkreis ist zu 83 Prozent am Zweckverband beteiligt. Städte wie Pegnitz bezahlen über die Kreisumlage erhebliche Beträge – teils mehr als Gemeinden, die unmittelbare Nutznießer der Einrichtungen sind. Gleichzeitig muss Pegnitz selbst jährlich Millionenbeträge für den Defizitausgleich des eigenen Bades aufbringen, das auch dem südlichen Landkreis dient. Eine gerechte Verteilung der Finanzmittel sieht anders aus.
Unser Antrag zur Gründung eines erweiterten Zweckverbandes, um Tourismuseinrichtungen gerechter zu finanzieren, wurde abgelehnt – auch mit der Stimme des Landrates. Dabei war vor der Wahl ausdrücklich von einer Neuordnung der Zweckverbände und der Nutzung von Synergien die Rede.
Personalentwicklung und Bürokratie
Ein weiteres Feld ist die Personalentwicklung. Überall wird Entbürokratisierung gefordert. Bürgerinnen und Bürger klagen über Regulierungsdichte und schwerfällige Abläufe. Gleichzeitig ist der Personalkörper des Landratsamtes kontinuierlich gewachsen. Wir haben seit Jahren gefordert, diese Entwicklung zu stoppen. Mehr Personal bedeutet mehr laufende Kosten – dauerhaft. Zudem haben wir angeregt, das Landratsamt wieder als jederzeit zugängliche Dienstleistungseinheit zu gestalten, ohne komplizierte Terminverfahren.
Auch hier blieb der versprochene Neuanfang aus. Die Entwicklung zeigt weiterhin steigende Personalkosten und Strukturen, die eher ausgebaut als verschlankt wurden.
Es bedarf grundsätzlich keiner weiteren Erläuterung bei Betrachten des nachfolgenden Schaubildes:

Erweiterungsbau oder neue Nutzung?

In unserem Wahlprogramm zur Kreistagswahl 2020 hatten wir vollmundig angekündigt:
Landkreisdienstleistungen auch in Kreisstandorte
Neubauabsicht Verwaltungsgebäude zugunsten vorhandener Immobilien im Kreisgebiet auf den Prüfstand
Nach Auflösung der Hotelfachschule in Pegnitz haben wir beantragt, dort eine Außenstelle des Landratsamtes einzurichten – verkehrsgünstig gelegen, Bahnhofnähe, mit vielen Parkplätzen und geeigneter Infrastruktur. Auch hier keinerlei Unterstützung von Herrn Landrat Wiedemann, den wir engagiert ins Amt gehievt hatten.
Dieser Vorschlag fand keine mehrheitliche Unterstützung. Besonders anzumerken, dass gerade auch die Kreisräte aus Pegnitz und dem Süden nicht zugestimmt haben, die heute bei Wahlveranstaltungen propagieren, dass wir eine starke Vertretung im Kreistag aus dem Süden brauchen. Mit Verlaub, wir hatten viele Mandatsträger aus unserer Region, nur diese haben die Anliegen des Südens und der Stadt Pegnitz nicht vertreten.
Stattdessen wurden Planungen für einen Erweiterungsbau weiterverfolgt. Dabei weist selbst das inzwischen vorliegende Konsolidierungsgutachten des Kommunalen Prüfungsverbandes darauf hin, dass durch Personalreduzierungen und Mehrfachnutzung von Büroarbeitsplätzen bis zu 80 Büros eingespart werden könnten. Eine naheliegende Konsequenz wäre gewesen, auf einen millionenschweren Neubau zu verzichten. Doch auch hier blieb eine Kurskorrektur aus.
Das Konsolidierungsgutachten – Bestätigung ohne Konsequenz
Seit Jahren haben wir ein Konsolidierungsgutachten gefordert. Nun liegt es vor. Erstellt vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband, enthält es zahlreiche Hinweise, die unseren langjährigen Forderungen deckungsgleich entsprechen. Einsparpotenziale von über fünf Millionen Euro jährlich werden aufgezeigt.
Doch Erkenntnis allein genügt nicht. Es braucht den Willen zur Umsetzung. Beim Regionalen Gründerzentrum RIZ etwa wurde die finanzielle Beteiligung durch uns und den Gutachter deutlich in Frage gestellt. Dennoch entschied sich die Mehrheit gegen eine grundlegende Änderung. Wieder blieb es bei der Fortführung bestehender Strukturen.
So tritt nun ein, wovor wir gewarnt haben: Großvolumige Investitionen und steigende laufende Ausgaben belasten den Haushalt nachhaltig. Wir haben nicht ausreichend unterschieden zwischen zwingend Notwendigem, Wünschenswertem und Entbehrlichem. Der Eindruck entsteht: Es wurde nahezu alles umgesetzt, ohne Prioritäten klar zu definieren.
Fazit: VERANTWORTUNG BRAUCHT KONSEQUENZ
Am 8. März 2026 steht eine wichtige Entscheidung an.
Ein wirklicher Neuanfang ist aus unserer Sicht notwendig. Der Neuanfang, der vor sechs Jahren versprochen wurde, ist für uns schlichtweg nicht erfolgt. Vieles blieb bei wohlklingenden Formulierungen.
Wir haben uns aufrichtig bemüht, unsere Überzeugungen einzubringen. Doch unsere Anträge und Vorschläge fanden keine Mehrheit. Besonders schmerzt, dass auch der von uns empfohlene Landrat unsere zentralen Forderungen nach seiner Wahl nicht weiterverfolgt hat.
Nun liegt es wieder in den Händen der Bürgerinnen und Bürger. Demokratie bedeutet, Verantwortung zu übertragen – aber auch, Rechenschaft einzufordern. Wer Verantwortung erhält, muss entscheiden, erklären, sparen, korrigieren und handeln. Er muss sich seiner Verantwortung nicht nur für eine Institution bewusst sein, sondern für alle 33 Gemeinden unseres Landkreises.
Vertrauen entsteht durch Glaubwürdigkeit.
Und Glaubwürdigkeit entsteht durch die Übereinstimmung von Wort und Tat.
Vor der Wahl darf nicht etwas anderes gelten als nach der Wahl.
Denn nur so kann Demokratie stark bleiben.
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